Reviererfahrungen mit Reduzierpatronen
Auszug aus "JÄGER"   (Jahn-Verlag)     Autor F. Heil
 
Reduzierpatrone Neue Patrone statt neuer Waffe
Ein originelles System der Leistungs-minderung von Büchsenpatronen:  Die in der Praxis getestete Reduzierpatrone erschließt völlig neue Einsatzmöglichkeiten für unsere Gewehre.
An sich sind Reduzierhülsen, gelegentlich als Adapter bezeichnet, seit Jahrzehnten gebräuchlich. Eine Aufnahmehülse bietet Raum für eine gleichkalibrige, aber kleinere Patrone. Das ermöglicht das Verschießen einer schwächeren Patrone als der Originalpatrone. Weist das Original Zentralfeuerzündung auf, die kleine Patrone aber Randfeuerzündung, benötigt der Adapter einen Zündstücküberträger.
 
Mit dieser Patrone wurde ein anderer Weg beschritten. Diese Reduzierpatronen sind fertige Patronen schwacher Leistungen mit speziellen Hülsen. Sie basieren auf einem verringerten, für Ladungen mit reduzierten Leistungen optimal vermessenem Pulverraum. Mit höchster Präzision hergestellt, haben die nahezu unverwüstlichen Reduzierpatronen im Patronenlager kaum Spiel, so daß das Geschoß genau axial zur Seelenachse steht. Es tritt beim Abfeuern, ohne zu verkanten, in den Lauf ein. Ergebnis sind Streukreise von ca. zwei Zentimeter auf 100 Meter Schußentfernung. Als Nebeneffekte ergeben sich ein milder Rückstoß und eine geringere Lauferwärmung.
Äußere Kennzeichen dieser Reduzierhülsen sind drei umlaufende, sowohl sicht- als auch fühlbare Rillen. Neben der Kaliberbezeichnung sind die Buchstaben "RED" für reduziert angebracht. Sie lassen sich aus sämtlichen Waffen mit normalen Patronenlagern verwenden.
Würden in die Reduzierhülsen normalschwere Geschosse der jeweiligen Kaliber verladen, stellt sich bei normal eingeschossenen Waffen ein beträchtlicher Tiefschuß ein. Um denselben Haltepunkt zu erreichen, kann daher der Trick des geringeren Geschoßgewichtes angewendet werden. Das gleicht den Tiefschuß aus.
Als Beispiel sei das Kaliber 7x65 R mit 10,5 g schwerem TIG-Geschoß genannt. Demgegenüber ist die Schonzeit-Reduzierpatrone 7x65 R RED nur mit einem leichtgewichtigen 5,1 g Teilmantelgeschoß geladen. Durch Auswahl der Pulverart und -menge kann eine Treffpunktlage erreicht werden, die das Zusammenschießen beider unterschiedlich schweren Geschosse gewährleistet.
Die Reduzierhülsen sind vielfach wiederladbar, sofern sie nicht überladen werden. (Sehr hoher Gasdruck führt zu einer Verformung des massiven Hülsenkörpers.)   Weiterhin sollte nach jedem fünften Abfeuern der Hülsenhals mit einer "weichen" Gasflamme etwa fünf Sekunden erwärmt (nicht geglüht) werden. Das erhält seine Elastizität.
 
Was kosten die Reduzierpatronen?
Der Hülsenpreis von durchschnittlich 5,90 DM erscheint im ersten Augenblick relativ hoch. Wird aber die Hülse 30mal wiedergeladen, entfallen pro Schuß lediglich 19 Pfennige auf sie. Sie macht sich also ziemlich schnell bezahlt.
Wiederlader können mit geringem Aufwand die für ihre Büchse beste Laborierung austesten. Hierfür stehen eine spezielle Hülsenhalsmatrize und ein Zündhütchenausstoßerstift zur Verfügung. Der nicht wiederladende Jäger gibt die abgeschossenen Hülsen einfach ab und bekommt sie nach einigen Tagen schußfertig wieder zurück. Der Preis dafür ist bescheiden. Um Terminschwierigkeiten zu vermeiden, empfiehlt sich das Anschaffen eines entsprechenden Grundbedarfs an Hülsen. Während die eine Schachtel mit abgeschossenen Hülsen zum Wiederladen geschickt wird, stehen die anderen mit geladenen Reduzierhülsen einsatzfähig zur Verfügung.
Das Reduzierpatronen-Angebot umfaßt alle gängigen Kaliber von .222 Rem. bis 9,3x74 R. Als Anfangsservice ist eine "gemischte" Lieferung von Reduzierpatronen erhältlich, also z.B. je zwei oder drei Patronen einer jeden in diesem Kaliber gefertigten Laborierung. Der nicht selbst wiederladende Jäger kann sich auf dem Schießstand die für seine Waffe beste Laborierung, also die mit der Originalpatrone zusammenschießende, heraussuchen.
 
Vorteile der Reduzierpatrone in jagdlicher Praxis
Die jagdlichen Einsatzmöglichkeiten für diese Spezialmunition sind mannigfaltig. Der Bergjäger kann seine Revierwaffe im Hochwildkaliber mit Reduzierpatronen auf Murmel oder Birkhahn verwenden. Der Flachlandjäger - meist der Sauen wegen ebenfalls mit einer großkalibrigen Büchse gerüstet - kann das allgegenwärtige Raubwild und -zeug "leise" bejagen.
Derjenige, der sich den Winterbalg des Fuchses oder die strapazierbare Schwarte des Dachses gerben lassen will, mag keine großen Ausschüsse. Auch für die Rehwildbejagung kommt eine reduzierte Ladung mit den dafür vom Gesetz geforderten Mindestleistungen demjenigen entgegen, der neben zuverlässiger Wirkung die geringe Wildbretentwertung schätzt.
Ein Jagdfreund, der für seine Hochwild-Jagdverhältnisse mit meist bescheidenen Schußentfernungen im Wald das Kaliber 9,3x74 R bevorzugt, schwärmt - seitdem er sie kennt - von den Reduzierpatronen in den höchsten Tönen.
Die von ihm favorisierten Laborierung (es gibt drei unterschiedliche) beschleunigt das von der alten und bewährten "Försterpatrone" her bekannte 12,5 g Teilmantelflachkopf-Geschoß auf die Anfangsgeschwindigkeit V0 von 575 m/s (Anfangsenergie E0 = 2.065 Joule). Das entspricht den ballistischen Werten der Originalpatrone. Es ergibt sich, sofern die Schußentfernung von etwa 130 Meter nicht überschritten wird, eine präzis schießende, "umwerfende", wildbretschonende und rückstoßarme "Idealpatrone" für Rehwild, wie die damit bisher erlegten zwei Dutzend Rehe beweisen.
Im Revier erweist sich der milde, vom weiter entfernt stehenden Wild kaum registrierte Knall als günstig. Verwendet man  z.B. aus einer außerordentlich leichten Kipplaufbüchse im Niederwildrevier eine Zeitlang die Reduzierpatronen und danach im Hochwildrevier wieder die Originalladung, erschrickt man fast über den plötzlich deutlich spürbaren Rückstoß und den scharfen Knall. Die Wirkung der bis maximal 130 Meter Schußentfernung verwendeten Schonzeit-Reduzierpatronen zeigt sich auf Fuchs und Dachs als zuverlässig und zugleich balgschonend. Gleiches trifft für Hase, Kaninchen und Stockente zu. Die rehwildtauglichen Reduzierpatronen mit den etwas schwereren Geschossen (ab Kaliber 7x57 aufwärts) wirken auf alles Rehwild bei guten Schüssen "umwerfend". Bei weniger sauberen Schüssen weisen Anschuß und Fluchtfährte ausreichend Pirschzeichen auf. Getroffenes und nicht sofort verendetes Rehwild zeichnete in der Regel deutlich.
Die Reduzierpatronen lassen sich auf Schußentfernungen bis 130 Meter in ihrer Wirkung mit der altbewährten Rehwildpatrone 5,6x52 R vergleichen.
 
Fazit
Zusammengefaßt stellen die wiederladbaren und damit preiswerten Reduzierpatronen eine echte Bereicherung des Schonzeit- und Rehwildpatronenangebotes dar. Sie sind bequem und "idiotensicher" zu handhaben, schießen, wenn die für die jeweilige Waffe geeignete und mit der Originalpatrone zusammenschießende Laborierung einmal gefunden ist, präzis, mit geringem Knall und bescheidener Lauferwärmung.
 
Mögliche Reduzierpatronen im Kaliber .30-06
4,7 g-Geschoß    V0  310 m/s    E0     225 Joule
4,7 g-Geschoß V0  510 m/sE0     610 Joule
6,5 g-Geschoß V0  305 m/sE0     302 Joule
6,5 g-Geschoß V0  640 m/sE0  1.330 Joule
7,1 g-Geschoß V0  510 m/sE0     923 Joule
7,1 g-Geschoß V0  625 m/sE0  1.386 Joule
7,1 g-Geschoß V0  660 m/sE0  1.545 Joule
 
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Zu beziehen sind die Reduzierpatronen bei:
Waffen & Angelgeräte MOHR
Bahnhofstraße 19, 59939 Olsberg, Telefon 02962/2300, Fax 02962/6300
E-Mail   mohr@olsberg-online.de
 
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